Laufidole und andere Schmankerln

Unsere Erde sah schon viele Laufgrößen, viele blieben der Öffentlichkeit verborgen, denn sie liefen aus Leidenschaft oder um das Überleben zu sichern. In Süd-mittelamerika waren Botenläufer bei den Tolteken, Azteken und Mayas bekannt, sie legten weite Strecken (auch bei Nacht) zurück und Doping war zwar in der Wortform bei ihnen nicht bekannt aber sie praktizierten schon damals Praktiken wie Kokablätter kauen. Ruhm und Geld spielte erst in den letzten Jahrhunderten eine wesentliche Rolle, wobei die Griechen mit ihren olympischen Spielen eine Vorreiterrolle übernahmen.

Eine kleine Auswahl an Athleten die ich euch im laufe der Saison etwas näher vorstellen möchte sind Emil Zatopek - Dietmar Millonig - Nurmi Paavo - Steve Prefontaine -Haile Gebrselassie - Peter Bajus oder Pheidippides 5 Jh.v.C. der aber mit einiger Sicherheit eine Erfindung war  u.v.m.

 

Dietmar Millonig Jg55 und Steve Prefontain Jg51 bzw. James Dean Jg31

Auf den ersten Blick dürften die drei Namen etwas Verwirrung stiften. Aber dahinter steckt wie so oft im Leben eine einzigartige Verbindung von Ähnlichkeiten die selbst Fachleute ins Staunen bringen.

Dietmar ist Kärntner und weilt als einziger noch unter den Lebenden. Steve und James starben beide im Alter von 24ig Jahren bei einem selbstverschuldeten Autounfall. In beiden Fällen fuhren der Athlet Steve und der Schauspieler James ein Cabriolet. Beide kamen von der Straße ab und erschlugen sich mit den Fahrzeugen. (bei James ist die Verschuldensfrage etwas undurchsichtiger, da ein zweiter Autolenker ihm die Vorfahrt genommen hatte)

Warum ich diese zwei Athleten Dietmar und Steve erwähne ist folgender Grund. Beide haben annähernd die gleichen Zeiten stehen.

Mach dir selbst ein Bild.

Dietmar                                     Steve

1500 M        3.38                          3.38

1 Meile        3.57                          3.54

3000 M       7.43                           7.42

5000 M     13.15                         13.21

10.000 M  27.42                         27.43

 

Über Steve Prefontaine wurde ein Film gedreht und ein Lauf nach ihm benannt. Er ist in den USA als einer der Laufhelden schlechthin bekannt. Dietmar Millonig hingegen ein unscheinbarer kleiner Mann mit großem Herzen, der von der Öffentlichkeit eher ignoriert wird. Das österreichische Volk steht auf drittklassigen Fußball, erstklassige Skifahrer und gemütliche Fernsehabende.

 

Ein Mann der mir oft durch die Gedanken wandelt und wohl eine der schillerndsten Figuren aller Leichtathleten ist.

 

Peter Bajus Geb. 13. Juni 1795 in Klein-Gerau; † 18. Februar 1875 in Kingston (Ontario), der auch den Zunamen Stolz führte, war ein deutscher Schnellläufer und Hofläufer im Dienste des Großherzogs Ludwig I.

Peter Bajus lebte bis zum 15. Lebensjahr in Nauheim bei seinen Eltern. 1809 verließ er sein Elternhaus, um als Knecht die Branntweinbrennerei zu erlernen. In diesem Gewerbe arbeitete er einige Jahre. Dann kehrte er nach Nauheim zurück und verdiente seinen Lebensunterhalt als Tagelöhner.

Im Januar und Februar 1824 machte er mit einigen herausragenden Laufleistungen als Schnellläufer auf sich aufmerksam. Am 23. Februar 1824 kam Bajus dann auf Einladung des Großherzogs Ludwig I. nach Darmstadt. Er trat als Hofläufer in die Dienste des Großherzogs und stellte damit den Lebensunterhalt für sich und seine Familie auf eine sichere Grundlage. Während seiner langjährigen Dienstzeit am Hofe bildete er auch seinen ältesten Sohn Johannes zum Hofläufer aus.

1844 versuchte er eine Comeback als Läufer, blieb aber wenig erfolgreich. Er trat erneut in die Dienste des Großherzogs von Hessen-Darmstadt ein; diesmal als Lakai. 1856 wanderte er nach Amerika aus.

Neben einigen Anekdoten über frühere schnelle Laufleistungen sind die folgenden Schauläufe belegt:

18. Januar 1824: Bajus startet in Mainz-Kastel und erreicht nach 2:15:00 das Bockenheimer Tor in Frankfurt, wo der diensthabende Zöllner seine Ankunft bescheinigt. Für den Rückweg braucht er jedoch deutlich länger, so dass er das festgelegte Limit von fünf Stunden deutlich verfehlt. Die zeitgenössische Presse sah die Ursachen für diesen relativen Misserfolg u.a. in "alten zerlöcherten Schuhen", die er unterwegs wegwerfen musste, um in "geflickten alten Socken" weiterzulaufen. Ferner musste sich der Läufer selber noch um Getränke und Proviant kümmern.

Anfang Februar folgt ein weiterer Wettlauf in Mainz.

Am 8. Februar 1824 läuft Bajus die Strecke Mainz - Fintheim - Mainz vor "mehreren Tausend Zuschauern".

Am 15. Februar 1824 startet Bajus in Frankfurt am Schützenhaus am Allerheiligentor und erreichte in weniger als einer Stunde das Zollhaus vor Hanau. Sowohl in Frankfurt wie auch in Hanau sind große Menschenmenge zusammengekommen. Auf dem Rückweg ist am letzten Chausseehaus vor Frankfurt die Menschenmenge inzwischen so angewachsen, dass es für Peter Bajus kein Durchkommen mehr gab. Gegen seinen Willen wird er in eine Kutsche gesetzt und zum Zielplatz am Allerheiligentor gefahren. In einer Untersuchung des Sportkreises Darmstadt 33 hat Robert Bertsch 1989 errechnet, dass Peter Bajus bei diesem Lauf eine 10.000 m Zwischenzeit von 31:45 Minuten erreichte. Er war damit vermutlich der schnellste Langstreckenläufer seiner Zeit.

In der Woche nach seinem großen Hanau-Lauf startet Peter Bajus noch zweimal in Frankfurt. Einmal unternimmt er "einen Schnellspaziergang" vom Bockenheimer Tor zur Galluswarte und zurück. Das andere Mal läuft er nach Höchst, wobei er "im Angesicht vieler Tausend Menschen" eine vier "starke Stunden" lange Strecke in 68 Minuten zurücklegt.

Einen vorerst letzten Lauf unternimmt Peter Bajus am 26. Februar 1824, um eine Sendung von Darmstadt nach Frankfurt zu überbringen.

Hinweise auf weitere Schauläufe von Bajus gibt es nicht. Vermutlich durfte er als Großherzoglicher Bediensteter nicht mehr in dieser Form auftreten.

Unbestätigten Meldungen zufolge, lief Peter gegen einen königlichen Postbotenreiter auf einer 34 Km langen Strecke blosfüßig und gewann das Rennen mit großem Vorsprung. Heute würde man dazu Trailrunning sagen. Man errechnete für Bajus eine Marathonzeit von 2:14 Minuten. In damaligen Zeiten war so ein Wettkampf, Mensch gegen Tier und wenns auch nur die Sanduhr war eine willkommene Abwechslung für Pöbel und Adel und diese säumten die Pfade auf denen der Bewerb ausgetragen wurde.

Noch erstaunlicher wirkt der Umstand, das Bajus mit Kind und Kegel im zarten Alter von fast 65ig Jahren nach Amerika auswanderte und dort ca. 15 Jahre später verstarb. Erstaunlich deshalb, weil viele seiner Artgenossen der damaligen Zeit mit etwa 45 Jahren auf immer in der feuchten Erde bzw. auf einen Seziertisch verschwanden.

Emil Zatopek

Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft

Er war einer der wohl schillernsten Figuren in der LA-Szene, er stellte Weltrekorde bis hin zum Marathon auf. Gewann Weltmeisterschaften, olympisches Gold und so ziemlich alles wovon ein LA im normalfall nur träumen kann.

Seine ersten großen Erfolge feierte er bei den Olympischen Spielen 1948 in London, als er Olympiasieger über 10.000 Meter wurde und im 5000-Meter-Lauf hinter Gaston Reiff die Silbermedaille gewann. Bei der Europameisterschaft 1950 in Brüssel gewann er sowohl über 5000 wie auch über 10.000 Meter die Goldmedaille.

Bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki gewann er dreimal Gold. Während er die 10.000 Meter als haushoher Favorit souverän gewann, wurden seine Siege über 5000 Meter und im Marathon legendär.

Im 5000-Meter-Finale führte er lange, war dann aber auf den vierten Platz zurückgefallen, bis er in der letzten Kurve den führenden Briten Chris Chataway, den Favoriten Herbert Schade und seinen ewigen Konkurrenten Alain Mimoun überspurtete. Erst im letzten Moment entschied er sich dann zur Teilnahme am Marathon, den er noch nie zuvor in einem Wettkampf gelaufen war. Auch hier siegte er (2:23:03.2) ebenso wie bei den anderen beiden Wettbewerben mit Olympischem Rekord.

Am 29. September 1951 in Stará Boleslav hatte Zátopek bereits als erster Mensch bei einem Stundenlauf mehr als 20 Kilometer zurückgelegt. 1954 brach er ebenfalls die 29-Minuten-Barriere über die 10.000 Meter (28:54.2 am 1. Juni 1954 in Brüssel). Bei der Europameisterschaft 1954 in Bern verteidigte er seinen Titel über 10.000 Meter und gewann über 5000 Meter die Bronzemedaille.

Sein Markenzeichen wurde die heraushängende Zunge während des Laufens. Anders als beispielsweise sein stets elegant wirkender Vorgänger Paavo Nurmi erweckte Zátopek meist den Eindruck, am Ende seiner Kräfte zu sein – trotzdem gewann er. Aufgrund seiner optischen Schwergängigkeit erhielt er den Spitznamen „die tschechische Lokomotive“.

Pavoo Nurmi

Zwischen 1920 und 1928 gewann er bei Olympischen Spielen neun Goldmedaillen. Paavo Nurmi lief bis 1931 insgesamt 24 Weltrekorde von 1500 Metern bis zum Stundenlauf (19.210 m).

Auch er durfte sich zum erlauchtem Kreise der "unglücklichen" Spitzensportler zählen. Der Grund - er wurde lebenslang gesperrt, da er angeblich zu hohe Reisekoste erhalten hatte und das für den Amateurstatus den die LA damals innehatten nicht tragbar sei.

Er selbst bezeichnete sich als Mensch der nichts geleistet bzw. erreicht hatte. Seine Worte - Ein Sieg sei wie der Gipfel eines Berges um zu erkennen, dass danach nichts mehr kommt...

Erwin